Prof. Ehricht

Vom Labor zum Patienten

Ralf Ehricht zum Professor für optisch-molekulare Diagnostik und Systemtechnologie berufen
Prof. Ehricht
Foto: Sven Doering / Agentur Focus
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Meldung vom: 18. Dezember 2018, 10:43 Uhr | Verfasser/in: Lavinia Meier-Ewert/Leibniz-IPHT | Zur Original-Meldung

Bis technologische Lösungen aus der Forschung zum Patienten gelangen, vergeht viel Zeit. Rund 14 Jahre dauert es im Durchschnitt bis zur Anwendung in der Praxis. Diesen Prozess von der Idee zum Produkt zu beschleunigen ist das Ziel von Ralf Ehricht. Der erfahrene Industrieforscher wird von der Friedrich-Schiller-Universität Jena gemeinsam mit dem Leibniz-Institut für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) zum Professor für optisch-molekulare Diagnostik und Systemtechnologie berufen. In einer neu gegründeten Forschungsabteilung sucht Ehricht, der zuvor als Projektleiter bei dem Jenaer Diagnostik-Unternehmen Abbott (Alere Technologies GmbH) tätig war, nach neuen Verfahren für die Diagnose von Infektionskrankheiten und gesellschaftlichen Gesundheitsrisiken.

Von der Wirtschaft in die Wissenschaft: Für deutsche Verhältnisse ist es ein ungewöhnlicher Wechsel, den Ralf Ehricht nun vollzogen hat. Der Grund? Neugier", sagt der promovierte Biochemiker, der bei Alere Technologies, heute Teil des globalen Konzerns Abbott, seit 2006 den Forschungs- und Entwicklungsbereich Machbarkeitsstudien leitete. Er verantwortete dort zwischenzeitlich die Fertigung der Plattformen ArrayTube und ArrayStrip, mit denen Genom-Analysen durchgeführt werden. Mich reizt die Chance, interdisziplinär und mit verschiedenen Technologien arbeiten zu können", so Ralf Ehricht. Für zwei Forschungsschwerpunkte wird er Arbeitsgruppen aufstellen: Wir wollen optisch-molekulare Werkzeuge für die klinische mikrobiologische Diagnostik und Epidemiologie von Infektionskrankheiten erforschen. Und wir wollen die Ergebnisse mit systemtechnologischen Lösungen verknüpfen und so in Verfahren mit einem hohen Technologie-Reifegrad überführen." Dabei will Ehricht eine Brücke schlagen zu Partnern aus der Industrie, mit dem Ziel, gemeinsam innovative und verfügbare Produkte für Diagnostik und Therapie umzusetzen.

Eine Impf-Ampel für jedermann

Die Translation soll auf diese Weise gestärkt werden: die gezielte Umsetzung von Forschungsergebnissen in anwendungsfähige Lösungen vom Labortisch ans Krankenbett. So können wir Innovationen für die Diagnostik und Therapie schneller in den Gesundheitsmarkt bringen", erläutert Jürgen Popp, wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-IPHT. Ralf Ehricht erforscht Infektionskrankheiten und ihre Epidemiologie. Wir wollen verstehen, wie Antibiotika-Resistenzen zustande kommen, um sie zu vermeiden." Dazu setzt er auf moderne bioinformatische Verfahren. Eine beispielhafte Vision, was er auf dieser Grundlage gern als nächstes entwickeln würde, hat Ralf Ehricht auch: eine Impf-Ampel. Verfügbare Tests für jedermann, mit denen man aus einem einzigen Tropfen Blut ablesen kann, ob ein Patient etwa gegen Mumps, Masern, Röteln, Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten und andere impfpräventable Krankheiten noch immun ist oder welche Impfungen aufgefrischt werden sollten.

Um solche Point-of-Care-Anwendungen zu erforschen, die Ärzten und Patienten diagnostische Untersuchungen vor Ort anstatt über ein Zentrallabor ermöglichen, will Ralf Ehricht Lösungen mit Partnern aus der Industrie erarbeiten. Als Erfolgsmodell für die Zukunft sieht er den von ihm mit aufgebauten Forschungscampus InfectoGnostics in Jena, dem auch das Leibniz-IPHT angehört: eine öffentlich-private Partnerschaft, innerhalb derer mehr als 30 Vertreter aus Wissenschaft, Medizin und Wirtschaft marktreife Lösungen für die Infektionsdiagnostik erforschen und entwickeln. Woran es in der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft oftmals fehlt, ist simple Sprachvermittlung", sagt Ehricht.

Nach seiner Promotion am Institut für Molekulare Biochemie der Friedrich-Schiller-Universität Jena ist Ehricht 1998 als einer der ersten Mitarbeiter bei der Clondiag Chip Technologies GmbH eingestiegen. Als wissenschaftlicher Projekt- und Gruppenleiter für die Assay-, Device- und Produktentwicklung wirkte er bis 2006 daran mit, das Jenaer Diagnostik-Unternehmen von fünf auf mehr als 550 Mitarbeiter aufzubauen. Begonnen hat das übrigens an einem Labortisch im Lasertechnik-Gebäude des Leibniz-IPHT: Dort startete Eugen Ermantraut Clondiag als Ausgründung aus dem Institut. Mit seinem Antritt am Leibniz-IPHT schließt sich für Ralf Ehricht damit ein Kreis.

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