Doktorand Christian T. Plass betrachtet eine Probe, die mit dem Ionenbeschleuniger hergestellt wurde.

Lichtstrahlen beim Erlöschen zusehen

Forschungsteam aus Jena und Grenoble misst mit ultraschneller Kamera, wie Leuchtzentren in Nanodrähten abklingen
Doktorand Christian T. Plass betrachtet eine Probe, die mit dem Ionenbeschleuniger hergestellt wurde.
Foto: Jens Meyer (Universität Jena)
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Meldung vom: | Verfasser/in: Axel Burchardt | Zur Original-Meldung

Doktorand Christian T. Plass betrachtet eine Probe mit einzelnen Nanodrähten auf einer dünnen Schicht Siliziumdioxid auf Silizium. Zu erkennen ist nur das Substrat, da die Nanodrähte zu winzig sind. Doktorand Christian T. Plass betrachtet eine Probe mit einzelnen Nanodrähten auf einer dünnen Schicht Siliziumdioxid auf Silizium. Zu erkennen ist nur das Substrat, da die Nanodrähte zu winzig sind. Foto: Jens Meyer (Universität Jena)

Ein Team der Friedrich-Schiller-Universität Jena hat eine neue Kamera, die ultraschnelle Prozesse zeitaufgelöst misst, an der Röntgen-Nanosonde „ID16B“ des europäischen Synchro­trons ESRF in Grenoble (Frankreich) installiert. Mit ihr konnte nun erstmals gemessen werden, wie das Licht eines Leuchtzentrums in einem Nanodraht nach dessen Anregung durch einen Röntgenpuls abklingt. Diese Grundlagenforschung eröffnet Potenziale, Nanodrähte mit Leucht­zentren als Wellenleiter in der Quantenkommunikation einzusetzen. Die ersten Ergebnisse haben die Forschenden jetzt in der Fachzeitschrift „Advanced Science“ veröffentlicht.

Eine Möglichkeit, die Effizienz der Quantentechnologie zu verbessern, ist es, die Bauteile kleiner zu machen als bisher. Daher hat die Forschung an sog. Leuchtzentren in Halbleitern für Quantentechnologien enorm an Bedeutung gewonnen. Solche Systeme können sowohl als kleinste Rechen- und Informationseinheit eines Quantencomputers (Qubit) genutzt werden als auch als Einzelphotonenquelle. Bestehen diese Systeme aus Nanostruk­turen, ist eine Kopplung zu optischen Schaltkreisen auf einem Chip denkbar, um damit auch Quantenkommunikation auf kleinstem Maßstab zu realisieren.

Ein winziges lichtleitendes System aus Halbleiternanodrähten, das auch in der Quantenkommu­nikation eingesetzt werden könnte, haben Forscher der Friedrich-Schiller-Universität Jena mit einem Ionenbeschleuniger modifiziert. Diese Drähte wurden so verändert, dass sie Fremdatome als Leuchtzentren enthalten. In Grenoble konnte nun erstmals gemessen werden, wie das Schimmern von nur 10.000 Leuchtzentren abklingt, nachdem die Nanodrähte mit einem Röntgen­puls angeregt worden sind. 

Neuer Zerfallsmechanismus mit einer schnelleren Abklingzeit

Die Messungen des Teams belegen, dass ein neuer Zerfallsmechanismus mit einer schnelleren Abklingzeit gefunden wurde. „Wir haben der optischen Lumineszenzdetektion eine weitere Dimension hinzugefügt: die Zeit", betont Christian Plass, Doktorand an der Universität Jena und Erstautor der aktuellen Veröffentlichung. Im Wesentlichen regen die Forschenden das System mit einem Puls des neuen ESRF-Hochleistungs-Synchrotrons an, das Material sendet Licht aus und sie können verfolgen, wie das Licht mit der Zeit abklingt und welche Farbe es zu einem bestimmten Zeitpunkt hat, indem sie die durch Nanoröntgenstrahlen angeregte optische Lumineszenz nutzen. 

Kooperation machte Forschungserfolg erst möglich

Möglich wurden die Ergebnisse aufgrund der Kombination des intensiven Synchrotronstrahls des ESRF, des Einsatzes des Strahlrohrs ID16B und der neuen sog. Streak-Kamera, die das Team der Friedrich-Schiller-Universität dort im Jahr 2021 installiert hat. Die Kamera, deren Implementierung vom Bundesforschungsministerium (BMBF) finanziert wurde, ergänzt den bestehenden Aufbau der optischen Lumineszenzdetektion. „Der Erfolg dieses Projekts ist der äußerst reibungslosen Zusammenarbeit zwischen den Teams zu verdanken, und zwar nicht nur zwischen den Wissenschaftlern, sondern auch zwischen den Softwareentwicklern bei der ESRF", fügt der leitende Jenaer Forscher und Ko-Autor Prof. Dr. Carsten Ronning hinzu. Denn damit die Kamera überhaupt in diesem Versuchsaufbau funktionierte, musste eine äußerst komplexe Software entwickelt werden. 

 „Die Ergebnisse dieser ersten Studie sind zwar zunächst vor allem von grundlegender Bedeu­tung, könnten aber zu weiteren Studien über künftige Anwendungen in der Quantenkommunika­tion führen – zum Beispiel über die Verwendung von Nanodrähten als Wellenleiter für Licht, wie dies heute bei Glasfasern der Fall ist“, nennt Prof. Ronning weitere Forschungsansätze.

Information

Original-Publikation:
Christian T. Plass, Valentina Bonino, Maurizio Ritzer, Lukas R. Jäger, Vicente Rey-Bakaikoa, Martin Hafermann, Jaime Segura-Ruiz, Gema Martínez-Criado, Carsten Ronning: Spatially Resolved Dynamics of Cobalt Color Centers in ZnO Nanowires, Advanced Science 2205304 (2022), DOI: https://doi.org/10.1002/advs.202205304

Kontakt:

Carsten Ronning, Univ.-Prof. Dr.
Lehrstuhlinhaber
Lehrstuhl Experimentalphysik/Festkörperphysik
Raum 109
Helmholtzweg 3
07743 Jena